06.02.2012
Eine Publikation der Primus Verlag AG
 
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Segeln für Anfänger

Von kitischig-schönen Sonnenuntergängen, Süsswasser- und Platzmangel, traumhaften Bacardi-Buchten und karibischen Cocktails – oder wie wird aus einer Landratte ein Segelfan?

Und, Seekrank geworden? Ja, ich gebe es zu. Zu Beginn meines ersten Segeltörns durch die karibische See sind mein Magen und mein Gleichgewichtssinn überfordert. Das glitzernde Blau des Meeres, die warmen Sonnenstrahlen und der leichte Wind – alles perfekt wie in der Werbung – kann ich zu Beginn nicht geniessen. Somit lerne ich am ersten Tag Segeln: Auf Anweisung des Skippers, setze ich mich ans Steuer und fixiere die Stelle, wo der Horizont ins Meer taucht und wir segeln der ersten fernen Inselgruppe entgegen.

Nichts für Tussis Mein Necessaire für diese Ferien ist anders bestückt: Fön und Lockenstab lasse ich daheim (kein passender Stromanschluss an Bord), dafür habe ich neben extra viel Sonnencreme, das PH-neutrale Shampoo eingepackt. Wir haben einen 500-Liter-Süsswassertank, gebadet (inklusive Haarewaschen) wird im Meer, anschliessend gibt es eine Süsswasserdusche. Nichts für Tussis. Und der Katamaran schaukelt auch nachts. Fest entschlossen am nächsten Tag die Segelferien abzubrechen, besänftigt mich ein Blick in den unglaublichen Sternenhimmel und ich entschliesse mich nicht zum naheliegenden Hotel zu schwimmen. 

Der dreiwöchige Segeltörn führt uns von Martinique über St. Lucia und St. Vincent bis nach Grenada und wieder zurück. Relativ zügig wird nach einer Woche bereits vor Grenada geankert, womit auf dem Rückweg genug Zeit bleibt für die kleinen teils privaten und unbewohnten Inseln und Buchten. Die grobe Route steht fest und unser Skipper ist mit europäischem Kartenmaterial und eigenem GPS Gerät gut ausgerüstet. So können wir als vierköpfige Segelcrew Tag für Tag entscheiden in welcher karibischen Bucht geankert wird.

Einsatz an Bord Alle reden mit, doch der Skipper entscheidet: Er erklärt,  wie die Segel gehisst werden, der Anker eingeholt wird oder welcher Kurs eingeschlagen wird. Wir üben Mann über Bord, wissen wo die Schwimmwesten sind und wie das Funkgerät funktioniert. Für jeden findet sich die passende Aufgabe, denn bei uns gibt es keine Passagiere. Zugegeben, die mitgebrachten Gartenhandschuhe kommen bei mir selten zum Einsatz – das Segelsetzen und Strippenziehen überlasse ich meinen motivierten Co-Matrosen. Dafür halte ich am Steuer den Kurs, zeige an wo der Anker liegt, bin der Bordfotograf und assistiere in der Bord-Küche. 

Unsere haltbaren Vorräte haben wir zu Beginn der Reise aufgestockt. Frischen Fisch, Obst und Gemüse, aber auch T-Shirts und Schmuck gibt’s auf den örtlichen Märkten oder direkt bei den einheimischen Verkäufern, die den Seglern mit ihren bunten Holzbooten bereits entgegen kommen. Gegen ein Trinkgeld sind sie auch beim Anlegen an der Boje behilflich, bieten Ausflüge an und erzählen bei einem Bier gerne vom karibischen Leben. Das Feilschen um den Preis sollte man dennoch nicht vergessen. 

Problems in Paradise Kostbar und wertvoll können auch die Bojen sein. Frühes Aufstehen lohnt sich beim Segeln, nicht nur wegen dem Sonnenaufgang, denn auch andere Segler wissen, wo es schön ist. In manchen Buchten oder Naturschutzgebieten kann oder darf man aufgrund der Strömung (oder weil man sich in einem Naturschutzgebiet befindet) nicht ankern. Gebühren werden für Bojen, Häfen und auch bei der Einreise verlangt. Da wir auf unserer Tour verschieden Landesgrenzen überschreiten, muss sich der Skipper sobald wir an Land gehen beim Zollamt melden und entsprechend ein- und ausdeklarieren. 

Mit dem Dingi (Schlauchboot) geht’s an Land. Von exquisiten Privatinseln über kuriose Segler-Städtchen (Bequia), verlassene Filmkulissen (in der Wallilabou Bay drehte Johnny Depp Fluch der Karibik) bis hin zum quirligen Stadtleben in Georgetown sind die Landgänge sehr abwechslungsreich. Einen Cocktail zum Sonnenuntergang sollte man in keiner Bucht verpassen, ob in der edlen Piano Bar (Petit St. Vincent) oder der halbverfallenen Strandbar in der Piratenbucht: «Auch the paradise hat  problems»,  wie der Barbesitzer erzählt. 

Davon merken wir natürlich wenig. Unsere Probleme haben sich reduziert: wohin segeln wir, was wird gegessen, was gelesen – den Alltag haben wir Seemeilen hinter uns gelassen. Beim Schnorcheln beobachten wir Schildkröten und neben dem Boot schwimmen Delfine. Zugegeben, etwas Geduld und Toleranz kann dennoch nicht schaden, denn egal ob mit Freunden oder Fremden, der Platz auf dem Boot ist beschränkt. Wer die Möglichkeit hat, sollte daher den Katamaran nicht voll besetzen. Denn so findet sich für jeden das passende Plätzchen. Vielleicht am Steuer, mit einem Buch auf der Liege oder direkt am Bug mit Aussicht auf das weite Meer. Übrigens, hier vergisst man fast alles, auch den flauen Magen zu Ferienbeginn. «

Linda Panchyrz


Das passende Boot

Die weltweit grössten Segelboot Companies sind Moorings, Sunsail und VPM-Bestsail (www.moorings.com, www.sunsail.com, www.vpm.fr). Sie bieten sowohl Bareboat- als auch Crewed-Charter an. Man kann hier also nur das Boot, oder gleich Skipper und Hostesse mitbuchen. Daneben gibt es viele kleinere Anbieter, die kommen und auch wieder gehen. Tiefere Kenntnis des Marktes haben Agenturen, die mehrere Chartercompanies vertreten und auch «Kojencharter» anbieten. Hierzu zählen zum Beispiel Ägäis-Yachting (www.aegaeis.ch), 4-Oceans (www.4-oceans.ch), Barone Yachting (www.barone.de), My Charter (www.mycharter.ch) oder Nautic Travel (www.nautictravel.ch).

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